Te Whakarewarewatanga O Te Ope Taua A Wahiao

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Ich werde wach in Rotorua und der Himmel ist bewölkt, es ist noch früh, vor acht. Ich muss nicht lange überlegen was zu tun ist, sondern mache mich sofort auf den Weg zum wunderbar warmen Pool. Die Außentemperaturen liegen weit unter 20° und es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl aus der kühlen Morgenluft in das sehr angenehme warme Wasser einzusteigen. Ich schaffe es trotz der Wärme über eine halbe Stunde zu schwimmen und mag den Pool überhaupt nicht verlassen. Mit ein paar Dehnungsübungen, strecke ich nicht nur meine Muskeln sondern auch die Zeit. Ein Genuss, und um diese Uhrzeit habe ich den kleinen Pool auch ganz für mich alleine. Zum Frühstück mach ich mich in das Zentrum auf den Weg. Es sind nur wenige Blocks und schon reiht sich ein Ladengeschäft und ein Restaurant an das andere. Schnell habe ich mich für ein nettes Café entschieden und stelle, von nostalgischen Gefühlen übermannt, fest, dass man hier Eggs Benedict auf dem Speiseplan hat und ich kann sie sogar mit Lachs zubereitet haben. Eggs Benedict gehörten zu meiner Leibspeise während der Zeiten, in denen ich sehr viel in die USA reiste. Ich hatte sie lange nicht mehr gegessen und der Geschmack rief eine Reihe wunderbarer Erinnerungen in mir wach. Dieser Tag begann perfekt.

Nach dem Frühstück machte ich mich auf den Weg zu den Maori. Noch gestern auf der Fahrt hatte ich sinniert wie typisch englisch die Landschaft zuweilen ist, mit den grünen Wiesen, den Wäldern und den Schafen. Nun, an diesem Vormittag zeigte sich, dass auch das Wetter es irisch konnte. Auf Sonnenschein folgte urplötzlich Regen und auf Regen urplötzlich Sonnenschein.

 

Kaum war ich am Maori Dorf mit dem Namen Whakarewarewa angekommen, hatte mein Eintrittsticket mit Führung und „Cultural Show“ erstanden, blieb es aber beim Regen. Und es regnete zunehmend heftiger. Die Maoridame, die die Tour durch das Dorf führen sollte, stand im Plastikumhang vor den Besuchern und nahm das Ganze gelassen. Es regnete „Cats and dogs“, wie man so schön sagt, als sie die kleine Gruppe mit ein paar Übungen in der Maori Sprache fit macht. „Te Whaka-rewa-rewa-tanga O Te Ope Taua A Wahiao“ wiederholen die Menschen aus allen Erdteilen, die an dieser Führung teilnahmen, brav den Namen des Ortes, der soviel bedeuten soll wie: „Der Versammlungsplatz für die Kriegszüge von Wahiao“ Sich selbst stellt sie ebenfalls mit ihrem Maori Namen vor, den ich leider vergessen habe, ebenso, wie mit ihrem englischen Namen, der „Girlie“ lautete. Nun, den hatte man ihr vermutlich vor über 50 Jahren verpasst. Aber die Dame war tough. Wie mir überhaupt die Maori, wann immer ich ihnen begegnen konnte, mit sehr viel Stolz und einem großen Selbstbewusstsein gegenübertraten.

Sie sind die Ureinwohner dieses Landes. Sie wurden von den einstigen Eroberern aus Europa und Seefahrern überfallen, Missionare haben sie bekehrt, sie wurden enteignet und mit fragwürdigen Verträgen um ihr Land gebracht, Robben und Walfänger eigneten sich ihre Jagdgründe an. Man hat ihnen ihre Sprache, und die Ausübung ihrer Tänze, ihrer Traditionen verboten und man hat sie dem allgemeinen Zivilisationsdruck völlig untergeordnet. Krankheiten, die aus Europa mitgebracht wurden, trugen ihr übriges dazu bei, dass die Maori in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis auf wenige ausgerottet waren.

Längst dürfen sie aber inzwischen ihre Sprache sprechen und lehren und längst gibt es auch Besitzrechte für die Maori. Dafür haben sie in vielen Kriegen und Verfahren gekämpft. Nicht in dem Maße wie es sich viele wünschen, aber vielfach wurde recherchiert und Land an die Maori zurückgegeben, die es nicht selbst an die einstigen Siedler verkauften. Es gibt einen Vertrag von Waitangi (1840), in dem die Besitzrechte scheinbar geregelt wurden, aber man verfasste ihn in Englisch und Maori. Die Inhalte und die Auslegung waren unterschiedlich. Immer wieder gab es deshalb Auseinandersetzungen im Kampf um die Rechte der Maori. Vielfach haben sie die Lage für sich entschieden. Es gibt Maori, die es gut finden, dankbar sind für die Möglichkeiten der Bildung, der Entwicklung und des Schutzes unter dem sie leben. Meist sind sie geschäftstüchtig und mit gutem Schulabschluss und partizipieren auf ihre Art am Wohlstand Neuseelands, zu dem sie als Träger der Maori Kulur ihren Beitrag leisten. Andere, die es in der Kiwikultur nicht geschafft haben, mögen noch immer das Unrecht fühlen, dass man ihnen ihr Land nahm und bis heute über sie bestimmt. Auch davon gibt es noch einige.

 

 

 

 

 

Durch ein Tor betreten wir das Dorf. Gleich dahinter bleiben wir auf einer Brücke, die über den Puarenga Fluss geht, stehen und schauen den Kindern zu, die nach Münzen tauchen. Das sei ein alter Brauch. Wer die Kinder tauchen sehen möchte, soll eine Münze ins Wasser schmeißen.
Whakarewarewa liegt auf einem Geothermalfeld. Das beeindruckende sind dann auch die Geysire und Schlammgebiete in denen man es wabern, blubbern, köcheln sehen und hören kann. Zwar wohne sie, wie die meisten Maori, nicht mehr in diesem Dorf, erzählt Girlie, doch an Tagen, wo sie hier zum Arbeiten herkomme, bringt sie auch ihr Essen mit und bereitet es so, wie einst ihre Vorfahren und einige der heute hier noch lebenden Maorifamilien in den eigens dafür ausgegrabenen Erdlöchern zu. Da spare sie sehr viel Energiekosten.

Whare Typung

 

 

Der weiterhin heftig auf die Erde auftreffende Regen, kann der heißen, köchelnden Oberfläche aber kaum etwas anhaben. Weiterhin blubbert sie und köchelt vor sich hin. Geschützt unter einem Holzdach stehen wir und bestaunen die beiden Geysire, die in Abständen von wenigen Minuten hohe Wasserfontänen in die Luft schießen. Einer wurde nach dem einstigen Prinzen of Wales benannt – es gibt eine Geschichte anlässlich seines Besuchs in Rotorua dazu – und der andere noch höher spritzende Geysir ist der Pohutu. Bedauerlicherweise hängen an diesem Regentag die Wolken dermaßen niedrig, dass auf den Fotos die Aktivität nur schwer zu erkennen ist. Kaum vermag sich die Fontäne von den Wolken abheben, man muss ihre Kontur erahnen.

 

 

Pohutu und Prince Charles Geysire

Die Cultural Show findet in einem abgetrennten Gelände statt. Auf einer sehr kleinen Bühne werden verschiedene Tänze aufgeführt. Sie geben einen ungefähren Eindruck von den einstigen Tänzen der Maori und ihren Anlässen und Inhalten. Die Freude, die die Tanzgruppe bei Ihrer Darstellung hat, springt auch auf die Zuschauer über. Es wird geklatscht und die Menschen bewegen sich mit im Rhythmus. Bei mir wirken schon die ersten Klänge und Töne. Ich mag den Gesang und die Instrumente der Polynesischen Kultur. Sie transportieren für mich alles, den Wind, die Wellen, den Sturm und die Gefahren, das ganze Leben auf diesen einsamen, fernen Inseln. Der Kriegstanz, der sogenannte Haka, den man eindeutig an den tiefen Stimmlagen und den ausgestossenen Lauten erkennt, ist heutzutage und besonders in diesem freundlichen Umfeld nicht mehr sehr angsteinflößend, auch die typisch dafür weit aus dem Mund gestreckte Zunge, trägt eher zu Belustigung der Zuschauer bei. Ich vermute, zu Zeiten James Cooks, als die ersten Eroberer diese Inseln betraten, mochte es unbestritten Respekt einflößend gewirkt haben.

 

Bis abends, bis zum Schluss der Besuchszeit, wenn die Familien dann wieder unter sich sein wollen, bleibe ich in dem kleinen, sehr schönen Maori Dorf. Ich bewundere die Zeremonienhalle mit ihren Schnitzereien, ebenso wie die beiden christlichen Kirchen, gehe den Weg entlang zum Friedhof und schaue mir die teilweise sehr alten Gräber an und auch die vielen Schnitzereien auf dem Weg dort hin. Gemütlich in der warmen Quelle sitzend, zählen die Kinder stolz ihre Beute aus dem Fluss, und mir scheint, hier im Maori-Land um Rotorua ist eine sehr gelungene Integration und Gleichstellung gelungen.

 

 

 

Die Maori haben bereits seit dem 19. Jahrhundert an den Tourismusströmen zu den Thermalquellen profitiert.

 

 

 

Am Abend liege ich selbst auch wieder in der heißen Quelle des Motels und entspanne bei dem stetigen Tropfen an der Einlaufstelle. Heute ist es lange nicht so heiß wie gestern und man sagt mir, man habe sehr viel mehr kaltes Wasser dazu laufen lassen. Aber die Wirkung ist da. Die Maori Gesänge im Ohr, das wohlige Gefühlt des warmen mineraligen Wassers auf der Haut, schlafe ich in meinem riesigen Bett ein. Es war ein angenehmer Aufenthalt in diesem Motel, das erst vor wenigen Tagen von einigen jungen Männern übernommen und unter neuem Namen wiedereröffnet wurde. Es wird noch gestaltet und eingerichtet, aber man merkt bereits, dass sie mit viel Enthusiasmus und Freundlichkeit ihr Unternehmen betreiben. Ich weiß zwar nicht, wie es vorher war, aber das, was die jungen Leute hier aufziehen, davon bin ich überzeugt, das wird ein Erfolgsprojekt.

Früh beginne ich meine Fahrt nach Auckland. Es ist der 23.12. 2017, Weihnachten steht vor der Tür und es duftet nach Heu. Ein Radiosender, der „Year of the cat“ und andere wundervolle Lieder am Stück spielt, begleitet mich noch viele Kilometer meines Weges. Mich packt nicht zum ersten Mal ein „California Feeling“. Das hat viel mit Freiheit, Sonne und einem Leben zu tun, das damals – in Kalifornien – noch vor mir lag. Ein bisschen gibt diese Reise mir davon etwas zurück. Es ist der 19 Tag meiner Reise um die Welt und viele Tage liegen noch vor mir, an denen ich selbstbestimmt meinen Tag gestalte und immerzu aufbrechen kann zu neuen Menschen, zu neuen Geschichten und zu neuen Ufern. Das macht etwas mit mir, dass beflügelt meinen Geist und meine „Pilgrim Soul“

Der Weg führt zunächst noch entlang des großen Rotorua Sees, wo die ersten Ausflugsboote auf Ihre Gäste warten. Der gestrige Regen scheint sich verzogen zu haben, die Sonne strahlt an einem blau weißen Himmel. Ich spüre es nun auch, dass ich durch Aotearoa, “ dem Land der langen weißen Wolke“ fahre, wie die Maori dieses Land einst benannten.

 

 

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