Te Papa Tongarewa

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Te Papa Tongarewa

Wie es nicht anders sein konnte, waren es wie immer die historischen Orte und Geschichten, die mich auch auf dieser Reise am meisten faszinierten. Für den Teil der Erde, auf dem ich jetzt stand, hießen die alten Kulturen Maori. Schon bei der Vorbereitung auf dieser Reise nach Ozeanien, verspürte ich ein großes Interesse an der polynesichen Kultur. Die in Neuseeland ankommenden Reisenden haben, so lässt sich vermuten, alle ein ganz unterschiedliches Motiv. Den meisten wird es um die faszinierenden Landschaften gehen, anderen, jüngeren, um den lockeren Lifestyle und wieder andere werden auch auf Grund der vor allem hier in Wellington ansässigen Filmindustrie hier sein. Die Trilogie „Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ haben nochmals eine ganz andere Zielgruppe auf Neuseeland aufmerksam gemacht, welche hier zu dem Wirkungsraum ihres Stars, des Regisseurs Peter Jackson, pilgern möchten.

So auch der junge Mann namens Anton aus Berlin, der mit mir in der gleichen Airbnb Unterkunft wohnt und schon zum zweiten Mal hier in NZ ist. Er studiert Film in Berlin, ist gerade dabei, sein Drehbuch zu schreiben und wie er selbstbewusst bekennt, wird er einmal einen Oscar gewinnen. Das weiß er, da ist er sich sicher. In einer einschlägigen Szene sei er nun schon ein kleiner Star, sein Blog und seine Youtube Filme haben mehr als 40000 Follower. Ich bin beeindruckt von dem jungen Mann der selbstverständlich auch für Peter Jackson schwärmt und der hier im Haus bei Sara, deren Ehemann als Drama Director und Schauspieler ebenfalls in der Filmindustrie tätig ist, genau am Platz seiner Träume ist. Dieser hat ihn auch schon mit in die naheliegenden Filmstudios mitgenommen. Auch Sara, die Architektin, hat dort ihre Karriere begonnen.

Ein klein wenig fühle ich mich zurückversetzt in meine Zeit in LA, nach Hollywood und Bel Air und der Schriftzug WELLINGTON am gegenüberliegenden Hügel, auf den mich Anton aufmerksam macht, bestätigt dieses Gefühl. Wobei ich dennoch den Eindruck habe, dass es in Wellington alles etwas bodenständiger zugeht, etwas verbindlicher und von dem Glamour der Filmindustrie in Hollywood hier nicht ganz so viel zu spüren ist. Auch die Filmsujets scheinen überwiegend immer in den Kontext der gewaltigen Natur, der Historie und der Mentalität der Menschen in Neuseeland eingebunden zu sein. Vielleicht irre ich, aber das ist mein Eindruck. Auch ich mag die Filme Jacksons, zähle aber auch den Film „Das Piano“ der neuseeländischen Regisseurin Jane Campion seit Jahren zu meinen absoluten Lieblingsfilmen.

Es ist aber auch ein faszinierendes Land, und nicht wenige mögen aus allen oben genannten Gründen und vielen Reizen mehr hier auf dieser isoliert liegenden Insel zwischen Australien und Ozeanien gelandet sein.

Für das Sujet meiner Reise hat denn auch das detaillierte und intensive Erkunden von Naturlandschaften keinen Platz gehabt. Viel zu viele markante Orte sollen in so einer Reise, die in knapp 80 Tagen um die Welt führen soll, ihren kurzen aber fokussierten Raum erhalten. So bleibt mir denn auch weiterhin nur, meiner Nase und meinen tief verwurzelten Sehnsüchten dorthin zu folgen, wo sie in Kommunikation treten können mit den Orten, Menschen und Gegenständen die zu mir sprechen. Eine Art der modernen Schatzsuche, denn das was ich zu finden hoffe, ist in keiner herkömmlichen Karte verzeichnet.

Damit bin ich wieder bei der Geschichte Neuseelands und bei den Maori.  Wie verheißungsvoll dieser Name des Museums schon klingt und dazu die Ankündigung dieser Ausstellung , das sind magnetische Kräfte, die mich dann auch unweigerlich in Richtung des Museums ziehen. Der Name des Museums in der Sprache der Maori bedeutet denn auch in etwa soviel wie : „Der Ort der Schätze dieses Landes“

Ich betrete die große Halle des auffälligen Gebäudes aus Beton, Stahl und einheimischen Hölzern. Die Aufgabenstellung des internationalen Architekturwettbewerbs lautete seinerzeit, es solle die Identität Neuseelands und seine Entwicklung dorthin reflektiert werden. Staunend schaue ich durch den großen Raum auf die großzügigen Stufen, die nach oben in die erste von 6 Etagen führen.

Im ersten Moment bin ich überwältigt von dem Angebot, das mich neben der Themen-Ausstellung noch anlacht. Der Eintritt ist kostenfrei und man erhält eine Übersicht, was es auf den einzelnen Stockwerken zu sehen gibt. Ich habe einige Favoriten, spare mir aber, weil es sich auch von den Stockwerken so ergibt, die Maori Ausstellung bis zum Schluss auf.

Zunächst gelange ich in die Austellung „Awesome Forces” und kann mir in einem Video anschauen, wie Neuseeland vor 83 Millionen Jahren von dem Superkontinent Gondwanaland abgespalten wurde. Dann kann ich mir anschauen, wie tektonische Platten arbeiten, kann ein Erdbeben in einem kleine Haus erleben und sehen, wie Vulkanausbrüche zu Stande kommen. Vor allen Dingen ist anschaulich dargestellt, wie alle diese Kräfte Neuseeland, als eines der dynamischsten Länder der Welt, durch diese Kräfte beständig geformt und auch verändert wird.

Dann trete ich durch einen tunnelartigen Eingang in das Dunkel einer Ausstellung, die unter dem Titel „Gallipoli: The scale of our war“ die Schlacht von Gallipoli darstellt. Ich mache große Augen, als ich um die Ecke des dunklen Eingangs komme und vor mir ein verletzter übergroßer Soldat auf dem Boden liegt. Die Schlacht, die ich unter der Bezeichnung Dardanellenschlacht kannte, und deren Schauplätze ich vor einigen Jahren in der Türkei besucht habe, hat für die Neuseeländer eine herausragende und gewaltige Bedeutung. Die Türken sind, soweit ich das seinerzeit wahrnehmen konnte, noch immer stolz auf ihren damaligen Sieg, den sie an der Seite Deutschlands gegen die Alliierten errungen haben. Die Dardanellen waren, neben dem Bosporus ,die einzige Verbindung zum Schwarzen Meer und damit sehr begehrt und unterlagen der türkischen Kontrolle.

Die Ausstellung hier im Te Papa hat einen ganz eigenen Ansatz, die unerwartete Grausamkeit dieses Kriegseinsatzes darzustellen. Erzählt wird die Geschichte jeweils aus Sicht von 8 Einzelschicksalen. Da erzählen die zunächst noch siegessicheren Soldaten, wie sie in das ferne Land aufgebrochen sind um ihre nationale Pflicht zu erfüllen und Großbritannien in diesem Krieg beizustehen. Auch die Maori fühlten diese nationale Pflicht, und, obschon es gar nicht vorgesehen war, meldeten sich viele Maori Männer freiwillig zur Teilnahme. Alle dargestellten Schicksale berichten denn auch, dass man sich den Einsatz gegen die damals als geschwächt geltenden Türken eher einfach und in Kürze zu bewältigen vorstellte. Churchill glaubte damals, der ganze Einsatz sei mit einer Seeschlacht zu bewerkstelligen. Dann wurde daraus aber vor allem auch für die Neuseeländer, die mittels eines Landeinsatzes die Schlacht unter Kontrolle bringen sollten, ein sehr verlustreicher Krieg. Ich kann mich dieser Ausstellung aus Sicht der Soldaten nicht entziehen und gehe gespannt die Räume ab, die mit vielen historischen Dokumenten und Bildern angereichert, die Schlacht und die menschlichen Schicksale sehr authentisch darstellt. Der 25. April gilt noch heute in Neuseeland als Nationalfeiertag zum Gedenken an die gefallenen Soldaten. Völlig im Bann des Dargestellten verlasse ich die Dunkelheit dieser Ausstellungsräume und trete in die Helligkeit des Treppenhauses. Die Auseinandersetzung mit Sichtweisen zum 1. Weltkrieg aus dieser fernen Welt hatte ich nicht wirklich gesucht und erwartet. Ich bereute es aber keine Sekunde diese außergewöhnliche Ausstellung gesehen zu haben.

 

 

Ein Besuch in dem kleinen Museumsshop bringt mich dem eigenen Anliegen, nämlich mehr über die Maori zu erfahren, wieder etwas näher.
In den Aussenbereich der Ausstellung kann man während meines Aufenthalts durch den Bereich Mountain to Sea nicht gehen. Man ist noch immer dabei, die Schäden, die das zuletzt erfolgte Erdbeben am 14.11. diesen Jahres angerichtet hat, zu beheben.

Also erklimme ich das nächste Stockwerk und widme mich der Einwanderungsgeschichte Neuseelands, mit vielen Ausstellungsstücken aus dem Zeitraum des vorletzten Jahrhunderts bis ca. 1970. Es ist amüsant, diese zum Teil auch aus meiner Jugend bekannten Gegenstände zu sehen, die ich hier nun nicht mehr ausführlich betrachten möchte. Wer Interesse hat findet sehr gute Informationen auf der Homepage des Museums, noch besser, er reist selbst in diese wunderschöne Stadt.

Ich betrete nun im 4. Stockwerk die Welt der Maori. Die polynesischen Kulturen faszinieren mich sehr und somit auch die indigene Bevölkerung von Aotearoa, der Maori Name für Neuseeland. Wie alle Naturvölker hatten die Maori eine sehr starke Verbindung mit der Natur. Es ist aufregend zu sehen, wie sie sich entwickelten, den Naturgewalten trotzten, ihre Götterwelten und Glaubensbekenntnisse entwickelten, die sie bis heute in trauter Gemeinschaft mit dem christlichen Glauben leben. Ich sehe ihre frühen Methoden des Hausbaus, der Seefahrt und des Fischfangs. Wenn man die Isoliertheit dieses Landes und der verschiedenen Inseln im Südpazifik bedenkt, ist es schon erstaunlich, zu welchen Leistungen sie meist im Einklang mit der Natur in der Lage waren. Leider darf man gerade in dieser Ausstellung nicht fotografieren, so dass ich gezwungen bin nun im besonderen auf die Webpage des Museums hinzuweisen.

Es ist ein sehr interessantes und lohnenswertes Museum, das Te Papa Tonguarewa und für mich genau der richtige Einstieg für meine Reise in Neuseeland, die leider viel zu kurz ausfällt, nachdem die Kosten während der Weihnachtsferien, vor allem für eine Alleinreisende exorbitant hoch sind. Somit erweitere ich meine Aufenthalte an anderer Stelle.

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