Ankommen in Japan

Japan, genauer gesagt Osaka, empfing mich mit strahlendem Sonnenschein. Den Flughafen, für welchen eine künstliche Insel in der Bucht von Osaka angelegt werden musste, durchschritt ich zügig, bis zum sich alsbald in Bewegung setzenden Kofferband. Die kurze Wartezeit im Vorfeld wurde zudem noch durch zwei junge Beamte, jeweils mit Hund, kurzweilig gestaltet. Immer wieder zackige Schreie ausstossend, trainierten sie die Hunde, wie es schien,und liefen mit Ihnen durch die artig hinter einer markierten Linie stehenden Passagiere. Trotz ernstem furchterregendem Tonfall, der Schlimmstes befürchten lies, sprachen Ihre lachenden Gesichter eine andere Sprache, es schienen sowohl die Beamten als auch die Hunde, viel Spass dabei zu haben. Ich musste nicht lange warten, da setzte sich auch schon die schwarz gummierte Schlange in Bewegung und als einer der ersten Koffer trudelten meine türkisfarbenen 28 kg ein und wollten bewegt werden. Es ist nicht wirklich eine Kunst, 28 kg auf Rollen durch einen gut gefliesten Flughafen zu schieben, er rollt quasi von alleine. In einer Toilette kommt man allerdings schon etwas schlechter zurecht, aber auch das klappte super. Es ist kein Geheimnis, dass der Besuch einer Toilette in Japan zur Herausforderung werden kann. Beheizte Klobrillen, Wasserfontänen und eine Vielzahl von gut in japanisch beschrifteten Knöpfen und Hebeln. Aber hey, auch das meisterte ich ohne Schaden an Koffer, meinem Körper oder der hochtechnischen Einrichtung anzurichten. Das komfortable Platzangebot erklärte sich beim Verlassen der Zelle, als ich sah, dass es sich um eine Behindertentoilette gehandelt hatte. Da man das ja auch irgendwie ist, wenn man mit einem derart schweren Koffer reist, – vor allem geistig -, wollte ich mir diese Möglichkeit aber unbedingt merken.

Als Nächstes galt es, was auch nicht eben einfach war, einen Fahrstuhl zu finden, der mich auf die Brücke bringen würde, die zum Bahnhof führt. Ich lief hin und lief her. Treppenaufgänge gab es in Überzahl, aber Rolltreppen und Aufzüge – Fehlanzeige. Da musste ich aber hin und dort würde die nächste Aufgabe auf mich warten. Den Schalter der Japan Rail zu finden, um mit dem schon vor Monaten von zu Hause aus gekauften Voucher einen Japan Rail Pass einzutauschen. Ich hoffte, der Stempel im Pass war der Richtige. Über 500 Euro hatte der Voucher für den Pass mich für 14 Tage gekostet und das, so erfuhr ich es aus vielen Reiseführern, war sehr viel günstiger, als wenn ich in Japan Einzelfahrscheine kaufen würde. Da ich große Entfernungen zu überbrücken hatte, hatte ich mich darauf eingelassen, auch wenn mir die Erklärungen auf der Seite des JR-Rail Passes oft sehr kompliziert erschienen.

Es ist schon ein Glück gewesen, dass ich Inge in dem Japanisch Kurs an der VHS kennengelernt habe. Sie,  die mit Ihrem Neffen, einem Steward bei der Lufthansa, schon des öfteren in Japan war, hatte mir bereits berichten können, wie einfach alles war. Auch stellte sie schon im Vorfeld den Kontakt zu Carsten her, von dem ich tatsächlich dann auch einiges rund um Flug und das Bahnfahren in Japan erfahren hatte.
Und so war es denn auch, einmal im oberen Stockwerk angekommen, wie beschrieben, ein Leichtes den JR Schalter zu finden. Ich holte meine ordentlich verstauten Unterlagen, bestehend aus Voucher und Pass hervor, um am Schalter nicht im ebenfalls vollgepfropften Rucksack suchen zu müssen.

Die Schlange der Wartenden war überschaubar. Ich hatte Gelegenheit, zuzuhören und festzustellen, dass eine der Angestellten ein gut verständliches Englisch sprach, während es bei den meisten Anderen eher nach 4 auswendig gelernten Sätzen klang. Als ich an der Reihe war, musste ich, wie konnte es anders sein, zu einer Anderen. Sie verneinte mit einem schwerfälligen No die Frage, ob Sie englisch spreche. Den Voucher erkannte Sie und wusste, was zu tun ist. Meinen Pass wollte Sie. Als ich ihn jedoch hastig zücken wollte, war er nicht da. Wo war er, ich suchte den Rucksack und die Jackentaschen zweimal durch. Sie rutschte ungeduldig und streng dreinschauend auf Ihrem Stuhl umher. „Sumimasen, Sumimasen”, entschuldigte ich mich, Panikstufe 5 – von 1-10. Wo konnte er sein. Wieder raus aus dem Ticketoffice, zwei erneute Suchgänge durch Rucksack und Taschen. Panikstufe 6. Wo hatte ich ihn zuletzt gesehen. Am Geldwechselschalter in der Ankunftshalle? Hatte die Dame ihn mir nicht wiedergegeben? Ich hätte schwören können, dass ich Ihn soeben mit dem Voucher zusammen parat gelegt hatte. Mein verstörter Blick fiel über den Koffer. Ich glaubte nicht richtig zu sehen, da lag er oben drauf, besser gesagt er steckte neben den Transportstäben. Ich musste in der Warteschlange alles auf einmal auf dem Koffer abgelegt haben. Dabei war er wohl dorthin abgeglitten. Mein in die Hose gerutschtes Herz fand ich nun auch wieder und begab mich, das ganze von Vorne, in die nächste Runde. Hossa, die Schlange war nun bis zum Ausgang gewachsen. Was soll es, dachte ich, wenn ich etwas eingeplant hatte, dann war es Zeit. Ausreichend Zeit. Also, nochmal von vorne und siehe da, – Glückssache -, ich landete bei dem reizenden Mädchen mit dem nahezu fließenden Englisch. Und wie diese mir helfen konnte. Sie erklärte, wo ich zum Zug in die Innenstadt, zur Osaka Station finden würde und buchte mir auch gleich die Reservierung für meine Reise in 2 Tagen nach Hiroshima. Sehr zufrieden ging ich Richtung Bahnsteig. Freundlich lächelnd und nickend winkte mich der Beamte am Schalterhäuschen durch. Mit dem Rail Pass konnte man nicht durch die Sperren am Automaten gehen, sondern musste immer an dem JR Mitarbeiter vorbei. Das sollte sich aber noch des öfteren als Vorteil erweisen, denn diese sahen, sofern man eine Reservierung hatte, wenn man auf dem falschen Weg war, auch konnte man diese, wenn es gar nicht anders ging, mit Händen und Füssen immer nach dem richtigen Weg fragen.

Ich hatte es geschafft, ich saß im Zug nach Osaka Station. Japan. Ich war in Japan. Irgendwie, zumal es niemals auf einer meiner Wunschlisten gestanden hatte, wirkte alles etwas irreal. War es aber nicht, rund um mich herum klang alles schön japanisch. Ich konnte nichts mehr verstehen. Ein weiteres unverkennbares Zeichen war dies. Ich konnte auch nichts mehr lesen. Zufrieden lehnte ich mich im Sitz zurück und schaute aufs Japanische Meer. Der Zug hatte mit unglaublicher Geschwindigkeit die Flughafeninsel verlassen.