Überraschungen, Freuden und Entbehrungen auf den Cook Inseln

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Nun war auch ein zweites, lang ersehntes Highlight meiner Reise buchstäblich ins Wasser gefallen. Die Inselwanderung mit Pa. Nahezu eine lebende Legende, führt er seit vielen Jahren die naturinteressierten Besucher quer über die Insel oder beim sogenannten „Medicinal Nature Walk“, einige Stunden durch den Regenwald. Ich hatte mich schon unbeschreiblich auf dieses Ereignis gefreut, aber wie es schien, es sollte nicht sein, so versuchte ich mich jedenfalls zu trösten. Wofür hatte ich denn schon von Beginn meiner Reise an immer wieder auch Schicksalsergebenheit geübt.

Immerhin, 5 Minuten hatte ich bei Pa im Auto gesessen und er hatte mindestens 20 Worte mit mir gewechselt, angefangen mit der Bewunderung meiner Beine, als ich ins Auto stieg und aufgehört mit dem Versprechen, morgen mit mir alleine den Walk zu machen. Aber besser ich fange von vorne an.

Gleich nach meiner Ankunft auf Rarotonga hatte ich den Walk mit Pa für Dienstag gebucht. Das war auch kein Problem, im Gegenteil, man fragte mich, ob es mir etwas ausmache, als einzige Person mit einer Gruppe von Studenten, die eine wissenschaftliche Exkursion mit Pa gebucht hatten, mitzukommen. Warum sollte ich das ablehnen, versprach es doch ein hohes Niveau. Aus einem Touristenwalk würde somit eine Exkursion werden.
Überpünktlich und sehr erwartungsvoll saß ich schon 10 Minuten vor 9 an der Bushaltestelle vor meinem Hotel. Um 9 sollte ich abgeholt werden. 10 nach 9 war Pa auch zur Stelle, lud mich ins Auto ein, in welchem noch ein junges Pärchen saß, mit denen ich mich auf Anhieb gut verstand. Nun sollte es also zu der Studentengruppe gehen. Es waren nur wenige 100 Meter, dann hatten wir deren Guesthouse erreicht. Pa stieg aus, und wir warteten im Auto. Ich unterhielt mich in der Zwischenzeit sehr nett mit den beiden ebenfalls erwartungsfrohen jungen Leuten, so dass es ein Weile dauerte, bis uns auffiel, dass Pa sehr lange schon weg blieb. Als er dann endlich wieder ans Auto kam, sah er zerknirscht aus. Es hatte ein Missverständnis gegeben. Die Studentengruppe hatte ihn für den „Across Island Track“ gebucht. Sie hatten zwei eigene Busse, voll besetzt mit Studenten aus Amerika, die von Pa bei Ihrer Exkursion begleitet werden wollten. Wir müssten unseren Medicinal Walk deshalb auf Donnerstag verschieben. Ich zuckte bedauernd die Schultern. So I`am off, this is not an alternative for me. On thursday i will already leave the Island“. Es war für mich von großer Wichtigkeit, dass ich diesen Flieger nach Tahiti erwischte, da er nur einmal in der Woche donnerstags von Rarotonga aus startete. Würde ich diesen Flug verpassen, müsste ich meine ganze Tour nach Französisch Polynesien abhaken. Nein, dass wollte ich auch nicht riskieren. Die anderen beiden hatten ebenfalls schon ein Programm für Donnerstag gebucht und wollten aber immerhin versuchen, ihre Termine zu tauschen.

Ich war untröstlich und Pa war es auch. „Ok, Marita, I will go with you tomorrow, Wednesday, sagte er, immer noch zerknirscht. Erstaunt schaute ich ihn an, aber er schien entschlossen. Letztendlich willigte ich ein. Mein Wednesday war, wenn auch nicht frei von Plänen, so doch frei von Terminen. „Same time, same place?“, fragte ich, und er antwortete mir: „I will let you know, maybe earlier“. Wir sollten hier noch warten, sein Frau käme uns nun abholen und sie würde uns in unser Hotel zurückbringen. Ich dankte und stieg aus, die wenigen Meter konnte ich locker zu Fuss nach Hause gehen.

Ich ging also zurück ins Hotel, etwas unentschlossen, wie ich meine Pläne nun umstellen könnte. Für heute Nachmittag hatte ich schon einen Termin im Hotel – Spa nebenan verabredet. Also lohnte sich die Fahrt mit dem ca. 1/2 stündlich fahrenden Bus in die Stadt nicht, wo ich Morgen meinen finalen Gang durch die Geschäfte hatte machen wollen, um noch ein paar Kleinigkeiten zu besorgen.

Auf Grund der Wahnsinnspreise auf der Insel, insbesondere auch für Mietwagen, hatte ich mich entschlossen, auf einen solchen zu verzichten und stattdessen alles mit dem Bus zu erledigen.

 

Zwei Busse fuhren immerzu rund um die Insel, von denen einer clockwise und der andere anticlockwise fuhr. Das bedeutete, am Ausgangspunkt in „Town“, wie die Einwohner ihre kleine Hauptstadt Avarua nennen, ging an der Mainstation jeweils zur vollen Stunde und zur halben Stunde ein Bus im Uhrzeigersinn und der andere gegen den Uhrzeiger auf die Reise. Unterwegs gab es mehr oder weniger festgelegte Haltestellen, man konnte aber auch per Handzeichen den Bus anhalten. Es war ein echtes Vergnügen mit diesen Bussen zu fahren. Alle Fenster geöffnet, den Hühnern ausweichend, bei jedem Schlagloch klappernd sauste er über die Insel. Wenn man Glück hatte, vielleicht war es für manche auch Pech, kam man in dem Bus von „Mr. Hopeless“, wie dieser lustige, immer gut gelaunte Busfahrer sich selber nannte, zum Sitzen. Niemals konnte man jedoch einsteigen, ohne dass er seine Späße auf Kosten der einsteigenden Touristen machte. Er hatte immer ein Thema und sein Mund stand nie still. Während der Fahrt sang er, – und das nicht einmal schlecht -, sein Repertoire an Liedern. Meist begann er mit „If you`re happy and you know it clap your hands”, – was er dann auch tat und die Fahrgäste aufforderte, mitzusingen -, und mit der zweiten Strophe „if you`re sexy and you know it, …….beendete er, unschuldig in den Rückspiegel und auf die Reaktion seiner Gäste schauend, dieses Lied. Es folgten die Lieder „Waltzing Matilda“ und „Somewhere over the rainbow….“. und wenn kein Huhn und keine winkenden Menschen den Bus zum stoppen brachten, konnte es gehen bis zu dem Lied „Your spanish eyes“ … . Dann folgte meist ein Quiz für die Fahrgäste, die er durch sein Mikrofon fragte, wie heißt jener Mann, der in dem Lied besungen wird, oder es galt Politiker zu erraten, von denen Mr. Hopeless“ allerdings nur wenig hielt. Jedenfalls zeugten seine Seitenhiebe, die er, auf die lokalen Politiker gemünzt, einfließen ließ, nicht von großer Sympathie.

 

Auch kam es vor, dass er bei seinem bevorzugten Laden anhielt, um, wie er seinen Passagieren mitteilte, zwei Bier für sich zu kaufen, – die Fahrgäste, so auch ich, warteten dann geduldig, bis er mit zwei Flaschen Kokusnusssaft, nach seinem Schwätzchen mit der Inhaberin des Ladens, zurückkam.
Oft erklärte er, wo man auf der Insel sehr gut Essen gehen kann, so zum Beispiel besonders bei seinem Cousin sowieso oder Onkel sowieso, oder wo man dies oder das kaufen kann. Dazwischen parodierte er warnend, „don`t leave your bags unattended, especially not at the Beach“. Junge Mädchen fragt er in ernstem Ton, wenn sie einstiegen und die Fahrkarte bei ihm lösten, „in which Hotel are you staying and what`s your room number ? Erfreulicherweise tat er das auch bei mir. Wortlos aber dankbar lächelte ich ihn an, und ging zum Sitz in der ersten Reihe, von wo aus ich den besten Überblick hatte und den Maestro aus nächster Nähe bei seinem aussergewöhnlichen Entertainment bewundern konnte.

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Ein Mal erlebte ich, wie ein Mädel brav Hotel und Zimmernummer nannte. Diese Zahl nannte er dann vielsagend und unentwegt, zwischen seinem Kartenverkauf für die Einsteigenden und den nachfolgenden Liedern. Immerzu wiederholte er sie leise singend: eight, o, three; eight, o, three, eight, o, three…. Die Leute im Bus lachten somit auf der gesamten Fahrt, die bis zu 30 Minuten aber auch länger dauern konnte, je nachdem wo man hin wollte und in welchen der beiden Busse man eingestiegen war. Wenn man es eilig hatte, musste man aber sehr genau überlegen, welchen der beiden Busse man nahm, da einer natürlich immer länger an den Zielort brauchte, auch wenn er gerade an der Haltestelle stand, während man auf den anderen noch einen halbe Stunde warten musste.
Das war denn auch das Problem meiner Zeitplanung, denn Hin- und Rückfahrt würden zu viel Zeit in Anspruch nehmen.
Glück hatte ich insofern gehabt, dass es in der Appartement – Anlage einen Waschraum mit Waschmaschine und Trockner gab. Ich konnte also die Zeit nutzen, um mich wieder einmal um die Wäsche in meinem Koffer zu kümmern. Wer wusste schon, wann ich das nächste Mal Gelegenheit dazu bekommen sollte.
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Also schlenderte ich an diesem frei gewordenen Vormittag in die kleine Rezeption des Hotels, hielt mein tägliches Schwätzchen mit den unglaublich netten Damen hinter dem Tresen und bediente mich wie jeden Tag aus dem Korb mit frischen Früchten, die alle im hiesigen Garten geerntet worden waren. Vorzugsweise griff ich zur Passionsfrucht, es war schon etwas länger her, dass ich diese köstlich süß saure Frucht frisch geerntet essen konnte.

Dann bat ich um die Coins für die Maschinen. Behände lief die freundliche Rezeptzionistin nach hinten in die Büros, während ich die Karte mit Fischen der Lagune und des Riffs studierte, welche oben auf dem Tresen klebte. Das war dann auch der Moment, wo ich erkennen musste, dass die unglaublich lange Schlange, über die ich noch vor kurzem auf Aitutaki, direkt vor meiner Beachvilla geschnorchelt war, eine Sea snake gewesen sein musste. Heiß und kalt wurde mir dann aber erst, als ich lesen konnte, dass diese Sea Snakes als hochgiftig und sehr angriffslustig gelten. Mit einem Schauder verließ ich die freundlichen Damen in der Rezeption und empfand Glück darüber, dass ich hier und heute, am Körper unversehrt, ans Werk und zu meiner Wäsche gehen konnte.

 

 

Ich stopfte nach und nach meine nach Farben sortierten Wäscheteile in die Maschine, warf den gewünschten Coin ein und sah der Katze beim Schlafen auf dem Bügelbrett zu. Sie schien mir beispielhaft für den Lebensrhythmus dieser Insel, während der heißen Mittagszeit. Auch ich konnte mich nun ein klein wenig auf den Liegestuhl legen. Zwangspause machen, sozusagen. Für den Abend hatten mir die Damen an der Rezeption eine Karte für eine Cultural Show unweit von hier besorgt und die Show wärmstens empfohlen. Ich freute mich darauf. Tanz und Musik der Südsee, für mich immer noch die schönste Musik wenn es darum geht Landschaft mit Musik in Einklang zu bringen. Zu jeder Zeit nahm sie mich mit auf die Wellen, trug mich sanft hinweg mit dem Wind.

Da wurde auch die Enttäuschung, dass ich nicht in den Genuss eines “Medicinal Nature Walks” mit Pa gekommen war, nur noch eine schemenhafte Erinnerung. Er hatte sich nicht mehr bei mir gemeldet.

Die ganze Sache ruft nach Wiederholung der Reise. Nur zu gerne würde ich auf die Cook Inseln einmal wiederkommen.

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