Auf der Reise nach Kyoto

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Die Stadt, an die ich die höchsten Erwartungen gestellt hatte und auf die ich mich am meisten freute, war Kyoto. Wie oft hatte ich mich schon im Vorfeld durch die Gassen mit den uralten Holzhäusern schlendern sehen, war neben Geishas spaziert und hatte mich an einem umfangreichen kulturellen Angebot erfreut, in einem Satz gesagt: Ich hatte das wirkliche, das historische Japan auf Schritt und Tritt während meiner imaginären Spaziergänge gefühlt.

So machte ich mich also, von Hiroshima kommend, zunächst mit dem Hikari Shinkansen nach Okayama und von dort weiter mit dem Kodama Shinkansen erwartungsvoll nach Kyoto auf den Weg. Die Fahrt war sehr angenehm mit schönen Ausblicken und überraschenden Ansichten. Ganze 4 Minuten blieben mir zum Umsteigen in Okayama, aber ich konnte mich auf die Aussagen der netten Angestellten vom JR Ticketschalter verlassen, die mir versichert hatte, dass das kein Problem sei. Die Bahn in Japan ist nun mal pünktlich wie ein Uhrwerk. Alles ist so abgestimmt und reibungslos zu bewältigen, dass man nur staunen kann. Und so klappte es auch ohne Probleme. Wie zuvor hatte ich einen Platz in den Reihen 1-3 A oder E, was bedeutete, ich musste meinen großen Koffer nicht ins Gepäckfach heben, sondern konnte Ihn hinter die Sitzreihe 1, die quasi die letzte im jeweiligen Abteil war, einklemmen. Längst hatte ich das herausgefunden und bestand deshalb nun immer auf diesen Platz bei den Reservierungen.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kyoto Station schien mir bei der Ankunft noch einmal viel größer als Osaka oder Hiroshima. Hinzu kamen diverse Baustellen und Umleitungen im Bahnhofsgebäude. Wieder fehlte es hier und da an Fahrstühlen und ich musste zurück und andere Wege nehmen. Irgendwann war ich dann aber draußen. Großstadt, große, breite Straßen, Hochhäuser, dunkle, schattige Straßen und Brücken unter denen ich hindurch musste. Historisch und schön sah Kyoto hier um den Bahnhof herum nicht aus.

Um die Reisekasse zu entlasten hatte ich mich für die 4 Nächte in dieser Stadt für ein Hostel entschieden. Es sollte ganz in der Nähe des Bahnhofs sein.

Straßenkarten sind in Japan natürlich meist nicht zu lesen, wenn man der japanischen Schriften nicht mächtig ist. Auch die Symbolik und die Piktogramme sind völlig anders als in der westlichen Welt üblich und bekannt. Als Symbol für buddhistische Tempel sind zum Beispiel Hakenkreuze in den Karten zu finden. Hinzu kommt die Tatsache, dass es keine Hausnummern gibt. Man muss also irgendwie zwischen zwei markanten Punkten auf die Suche gehen.

Mit einem kleinen Umweg von 1 – 2 Blocks und zu Fuss, fand ich das Hostel aber recht schnell. Ich hatte zwischendurch einen jungen Japaner nach dem Hostel gefragt; dieser konnte aber gar nicht helfen, zumal auch in Englisch, bis auf zwei, drei Worte nichts herauszubekommen war. Ich hatte ihm noch die Adresse gezeigt und er hatte sie schnell in sein Smartphone eingegeben, und mir daraufhin wenigstens einen Fingerzeig in die korrekte Richtung gegeben. Lange hatte ich das nicht glauben wollen, dass so wenige Menschen in Japan Englisch sprechen. Immer wieder las ich darüber, dass es so war und auch alle erfahrenen Japanreisenden bestätigten mir das. Selbst meine Japanisch Lehrerin an der VHS in Friedberg, hatte mir auf die Frage, ob ich denn englisch sprechende Schalterbeamten erwarten könne, geantwortet: „No, Japan ist eine Insel.“ 100 Prozent der Menschen, die ich angesprochen hatte, waren des Englischen nicht oder nur sehr eingeschränkt mächtig. Dafür kamen einige Male Passanten auf mich zu und sprachen mich in gut verständlichem Englisch an. So als wüssten sie um die Problematik, stellten Sie Ihr Wissen zur Verfügung. Mit oder ohne Englischkenntnisse, man trifft auf den Straßen immer auf sehr viele hilfsbereite Menschen. Meist ist es so, dass wenn man nach dem Weg fragt, die Angesprochenen einem, kilometerweite Umwege in Kauf nehmend, kurzerhand dort hin begleiten, wo man hin muss.

On the street where I lived.

Auch im Hostel, indem ich zum Einchecken zu früh angekommen war, sprachen die jungen Mädels an der Rezeption glücklicherweise ein gutes Englisch. Ich konnte meinen Koffer unter einem Netz abstellen und ab 3 Uhr würde das Zimmer fertig sein. Also ging ich auf eine erste Entdeckungstour, ging auf die Suche nach dem alten Kyoto.

Später am Nachmittag bezog ich das kleine Hostelzimmer. Zwar hatte ich die gehobene Klasse nämlich ein Doppelzimmer mit Waschbecken und kein 6 oder 8-Bett Zimmer gebucht, aber an die Größe musste ich mich doch erst gewöhnen. Duschen waren im EG und Toiletten auf dem Flur.
Mit meinem Koffer auf dem Boden, war jeder Zentimeter Fläche des Zimmers dann auch genutzt.
Das Leben im Zimmer fand im Bett statt. – Gemütlich -, vor allen Dingen, wenn draußen der leichte Regen fiel, den mir der Wettergott inzwischen auch mal als Gestaltungsvorschlag geschickt hatte.

Leben im Bett.

Da ich meist in Kyoto bis spätabends unterwegs war, erwies sich das Zimmer aber als absolut ausreichend.

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