J. C. Vlissingen

Der fliegende Holländer

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Die holländische Küste, ist zu jeder Jahreszeit schön. Doch wie könnte es anders sein, auch hier hat das Frühjahr seine ganz besonders Magie. Am aufgeschäumten Meer stehen und den herben Wind tief inhalieren, scheint jetzt im Mai nochmal eine ganz besondere Kraft zu geben.
Ich habe es glücklich erwischt und das liegt nicht unwesentlich an Corona. Sehr wenige Menschen sind hier und gehäuft blickt man einfach nur in die weite Ferne des weißen Strandes, blinzelt in die Sonne und ist allein. Fast so, wie ich es von Aufenthalten im Winter her kenne.

 

Noch ist das Wetter wechselhaft. Die ersten Tage sprach der lokale Wetterbericht Zeeland von Stapelwolken und dann wurden daraus immer dunklere Wolken, teilweise mehrere graue Stockwerke hoch.

 

Das machte mir nichts. Auch bei diesem Wetter, mit immer wieder leichten Regenfällen, lief ich barfuß am Meer entlang. Und auch wenn ich sonst sehr großen Wert auf die natürlichen Geräusche des Windes, der Wellen und der Seevögel lege, hatte ich heute einmal Musik im Ohr. Am Abend zuvor hatte ich mir eine Playlist mit meinen Favoriten angelegt und diese wollte ich eigentlich nur einmal anhören. Aber es wurde ein Spaziergang der besonderen Art. Mein Gang veränderte sich mit den ersten Takten. Manchmal, wenn die Musik mich besonders mit sich zog, ging ich über ins Tanzen und entdeckte so eine für mich völlig neue Sportart. Das war nun kein Spaziergang am Meer sondern Tanzen am Meer. Es machte unglaubliche Freude und meine Stimmung schwappte über in Lebenslust pur.

Später am Nachmittag beobachtete ich die Kitesurfer. Sie empfanden mindestens ebenso viel Lebenslust bei ihrem Tun, wie ich beim Tanzen. Wann immer ich sie beobachten kann, wünschte ich mir diesen Sport noch erlernen zu können. Wunschdenken? Fasziniert beobachte ich, wie sie bei Windgeschwindigkeiten, die in diesen Tagen nicht selten mehr als 60 km/h erreichen, über die Wellen sausen. Und kaum, dass man sich versieht, heben sie ab und fliegen durch die Lüfte. Am liebsten möchte ich mit ihnen jauchzen. Kaum verwunderlich, dass man bei diesen Anblicken an den fliegenden Holländer denken muss. Ganz nahe ist die Geschichte dieses Seemanns oder dieses Schiffes in diesen Tagen meinem Sinn.

Fliegende Holländer

 

 

 

 

 

 

 

Man vermutet, dass es Seemannsgarn war, aus dem die Legende entstanden ist. Durchaus naheliegend ist die Vermutung, dass die Phantasie sich von den in der Seefahrt tatsächlich bekannten Seuchenschiffen ihre Bilder geholt hat. Nicht selten irrten diese Schiffe auf den Meeren umher, da die Häfen sie nirgendwo einlaufen ließen. Die armen Seeleute waren somit den Seuchen bedingungslos ausgeliefert und starben oft allesamt, während die Schiffe weiter umhergeisterten. Es brauchte nicht allzu viel Phantasie um diesen umhertreibenden Friedhöfen, gruselige Geschichten anzudichten. Diese erzählten sich die Seeleute abends in den Wirtshäusern.

Wenn das nicht auch 2020 recht aktuelle Bilder wachruft. Man denke nur an die vielen Kreuzfahrtschiffe, die, wo immer auf dieser Welt strandeten, weil die Passagiere von Covid 19 erfasst,  in Quarantäne bleiben mussten.  Manch einer dieser Menschen konnte das Schiff nur noch im Sarg verlassen. Corona hat die Welt des Reisens verändert.

Wie glücklich bin ich, dass man mich nach Holland hat einreisen lassen. Aber es lässt sich nicht verhindern, ich lenke meine Phantasie ein klein wenig ins Negative. Demnach könnte der Sommer noch einige Krankheitsbotschafter in das gastfreundliche Holland bringen. Bisher rühmt man sich in Zeeland so gut wie keine Fälle von Covid 19 zu haben. Lediglich die Krankenhäuser werden genutzt um Patienten aus anderen Provinzen auf den meist leeren Stationen zu versorgen. Man wird sehen, was diese Seuche der Moderne noch an Schrecken und geschlossenen Häfen für uns bereit hält. Wer hätte so etwas gedacht.

Zurück zum fliegenden Holländer. Bekanntermaßen war es das 17. Jahrhundert, in welchem die Niederlande, die Weltmeere dominierten. Deshalb ist es auch kaum verwunderlich, dass die weit über die Grenzen bekannte Figur des Kapitäns, ihr Vorbild in dieser Zeit in Holland fand. Frederich Marryat, ein britischer Marineoffizier und Autor, machte in seinem 1837 erschienenen Roman „The Phantom Ship“ Terneuzen zur Heimat des Fliegenden Holländers.
Noch vor wenigen Tagen irrte ich mangels aktuellem Navigationsgerät in meinem Auto um diese immerhin drittgrößte Hafenstadt Hollands. Sollte ich es noch einmal wagen, mich dorthin zu begeben, werde ich das stählerne Kunstwerk, „Geisterschiff“ welches dort auf der Stadtgracht zu sehen ist, in jedem Fall besuchen. Ein Ort an dem die Legende fortleben kann, die in nicht wenige literarische Werke und vor allem in eine Oper von Richard Wagner Eingang fand.

Ein Spaziergang durch Wind uns Sturm an der holländischen Küste kann diese Bilder alle zum Leben erwecken und Legenden bildhaft werden. Open your mind…..

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